Die 1000-Kilometer-Fahrt des Lanz Bulldog im November 1924

Der Lanz Bulldog ist der legendärste deutsche Traktor. Produziert wurde der ebenso robuste und einfache Schlepper von 1921 bis 1957 in den Heinrich-Lanz-Werken in Mannheim. Was hat er mit den Externsteinen zu tun?

Die Antwort gibt eine kleine Broschüre von 1924, die in der "Westfälischen Bibliothek der Landwirtschaft" in Münster-Hiltrup aufbewahrt wird. In Wort und Bild berichtet sie von einer spektakulären Werbeveranstaltung, der 1000-Kilometer-Fahrt mit vier Schleppern von Mannheim nach Berlin. Von den Schleppern waren drei mit Bulldog- und einer mit Feldmotor ausgestattet. Die Fahrt startete am 10. November und führte über Frankfurt, Kassel, Warburg, Paderborn, Horn, Bielefeld, Bad Oeynhausen, Minden, Bückeburg, Stadthagen, Hannover, Braunschweig, Magdeburg nach Berlin. Man fuhr also einen Umweg, um die 1000-Kilometer-Marke zu erreichen.

Der Schlepperzug passierte am 16. November auch die Externsteine: „Vier Stunden später erregen wir Aufsehen in Bad Lippspringe, und abends 7 Uhr tauchen die Externsteine, gespenstisch von unseren Scheinwerfern beleuchtet, aus der Dunkelheit auf. Diese merkwürdige Sandsteinfelsgruppe ist ca. 40 m hoch und gehört historisch und geologisch zu den interessantesten Punkten unseres Vaterlandes. Vierzig Minuten später erreichen wir Horn. In jener Nacht schlief der Führer des Felddank am Steuerrad ein. Resultat: Zusammenstoß mit einem Baum und verbogene Vorderachse. Das Ausbauen, Ausrichten und der Wiedereinbau nahmen 5 Stunden in Anspruch; die Bulldogs liefen derweil leer. Nachts 10 Uhr durchfuhren wir Bielefeld (…)“

Am 27. November durchfuhr der Zug um Punkt 12 Uhr das Brandenburger Tor. „396 Stunden, eine einmalige freiwillige Pause abgerechnet, waren unsere braven Bulldogs in Betrieb; ein Erfolg, der für die deutsche Industrie, für die deutsche Volkswirtschaft von weittragender Bedeutung ist. Ein Erfolg, der beweist, daß es deutschem Erfinderfleiß gelungen ist, einen Traktor zu schaffen, der hinsichtlich Brennstoff und Wartung die denkbar geringsten Ansprüche stellt und der allen widrigen Umständen gewachsen ist; kurzum einen Traktor, wie er sein soll.“

Text: R. Linde

Bildquelle: Westfälische Bibliothek der Landwirtschaft beim Landwirtschaftsverlag Münster